Die Feuerwehrabteilung Reichenbach

Nachdem Reichenbach 1804 zur selbständigen Gemeinde erhoben wurde, kam auch die Verpflichtung, zur Bekämpfung von Feuersbrünsten eine eigene Feuerwehr aufzubauen.

Die erste Feuerwehrordnung datiert vom 31. Januar 1878. Die notwendigen Löschmittel musste die Gemeinde anschaffen. Sie bestanden aus einer Druckpumpe und Ledereimern. Durch einen Brand am 30.06.1880 zeigte sich, dass die Reichenbacher besser aufgeteilt und ausgerüstet werden mussten. So wurde unter dem damaligen Bürgermeister eine Neuaufstellung vorgenommen:

  1. Feuerboten und Feuerreiter
  2. eine Rettungsmannschaft
  3. eine Spritzmannschaft
  4. eine Gerätemannschaft
  5. eine Wassermannschaft
  6. eine Wachmannschaft

Zu dieser Zeit war der Bürgermeister immer der Kommandant der Wehr.

In den kommenden Jahren war die Gemeinde Reichenbach nicht von Bränden verschont. Das machte eine bessere Ausrüstung notwendig. So wurde im Jahre 1897 an der Stelle der Hochdruckspritze eine pferdebespannte Saug- und Druckspritze angeschafft, die den stolzen Betrag von 1.400 RM kostete.

Im Ersten Weltkrieg mussten viele Feuerwehrmänner den Dienst fürs Vaterland antreten, so dass die Wehr zu einer kleinen Gruppe zusammenschmolz. Wie durch ein Wunder waren in dieser Zeit nur 2 Brände zu bekämpfen. Nach dem Krieg wurde die Feuerwehr wieder neu aufgebaut und erreichte nach kurzer Zeit den alten Stand.

Auf Anordnung der damaligen Reichsregierung musste die Wehr 1935 neu aufgeteilt werden. Der Bürgermeister durfte nicht mehr Kommandant sein. Die Übungen wurden festgeschrieben. Im gleichen Jahr erhielten die Wehrmänner die ersten Uniformen. Jeder Angehörige musste ein Unkostenbeitrag von 5 RM leisten.

Um die Einsatzbereitschaft in den Kriegsjahren 1939 bis 1945 zu erhalten, mussten die Lücken durch jüngere und ältere Bürger ausgeglichen werden. Die Gemeindeverwaltung hat die technische Weiterentwicklung erkannt und der Feuerwehr im Jahre 1943 die erste Motorspritze genehmigt, die damals 2.177 RM kostete.

Leider haben die Kriegsjahre in den Reihen der Feuerwehr schmerzliche Lücken gerissen; von den eingezogenen Kameraden sind 17 gefallen oder vermisst. In Ehrfurcht gedenken wir ihrer.

Der Wiederaufbau nach dem Kriege wurde von der Gemeinde mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützt, so dass in verhältnismäßig kurzer Zeit wieder eine einsatzbereite Feuerwehr aufgebaut war. Unter dem damaligen Bürgermeister Benz erfolgte der Bau eines geeigneten Feuerwehrhauses, das im Jahre 1952 eingeweiht wurde.

Um den technischen Möglichkeiten gerecht zu werden und die neuesten Erkenntnisse in der Feuerwehr zu verwerten, besuchten einige Kameraden in den kommenden Jahren die Feuerwehrschule. Die Gemeindeverwaltung beschloss 1955 neue Uniformen anzuschaffen. Auch weitere Gerätschaften wurden bewilligt. Die Schlagkraft der Wehr erhöht sich dadurch weiterhin.

Am 27. März 1958 erhielt die Reichenbacher Feuerwehr eine neue Motorspritze TS 8, die noch heute voll im Einsatz ist. Im Jahre 1960 feierte die Feuerwehr ihr 80- jähriges Jubiläum, verbunden mit der Fahnenweihe.

1967 ging ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung: Ein TSF-Tragkraftspritzenfahrzeug wurde angeschafft, das sich noch heute in sehr gutem Zustand bewährt. Im November 1973 erhielt die Feuerwehr das beantragte neue Löschfahrzeug, ein LF 8-Allrad und somit auch die ersten Atemschutzgeräte.

Mit dem Ablauf des Jahres 1974 verliert Reichenbach seine Selbständigkeit als Gemeinde. Auch die Feuerwehr wird ab 1975 eine Abteilung der Feuerwehr Gengenbach. Anfängliche Zweifel wichen bald der Zuversicht. Hatte die Wehr bisher nur Brände zu bewältigen, so änderte sich auch in Reichenbach die Aufgabenstellung. Vom 22. bis 25. Mai 1978 richtete ein Hochwasser einen Schaden von ca. 2 Mio. DM an, der Dank dem unermüdlichen Einsatz der Feuerwehr nicht größer wurde.

Die Abteilung Reichenbach mit Abt.-Kommandant Franz Braun und Ortsvorsteher Reinhold Späth

Im Jahre 1980 konnte das 100- jährige Jubiläum gefeiert werden. Mit zunehmenden Aufgaben wurde es im 1952 erbauten Feuerwehrhaus immer enger, so dass 1988 ein Antrag auf Erweiterung gestellt wurde. Nach den Umbauarbeiten in über 1.200 Stunden Eigenleistung wurde im März 1992 der Unterrichtsraum im Haus der Vereine neben dem Feuerwehrhaus eingeweiht. Im Dezember 1992 konnte mit den Um- und Erweiterungsbaumaßnahmen für das Feuerwehrhaus begonnen werden. Eine der größten Leistungen der Reichenbacher Wehr konnte nach 6.000 Stunden Eigenleistung am 09. Sept. 1994 eingeweiht werden. Danben wurden noch 560 Stunden beim Bau des Bewirtschaftungshauses auf dem Santis Claus geleistet.

Der größte Teil aller Feuerwehrangehörigen hat an Leistungswettkämpfen Bronze, Silber und Gold teilgenommen, ebenso konnten bei Orientierungsfahrten immer gute Plätze belegt werden. Jedes Jahr veranstaltet die Feuerwehr einen Drei-Königsball, sowie im Sommer ein Waldfest und alle zwei Jahre im Rahmen der Brandschutzwoche einen Brandschutztag.

Im Jahre 1997 zählt die Abteilung Reichenbach 32 Aktive, 14 Alterskameraden sowie 5 Jugendliche in der Jugendfeuerwehr Gengenbach. An dieser Stelle soll aus Reichenbacher Sicht erwähnt werden: Das gute Zusammenwachsen der Abteilungen, sei es bei Übungen sowie im Einsatz, ist zum größten Teil der Verdienst unseres Gesamtkommandanten Dorner.